✎ Tipps für Deine Mappe

Um mit dem "Mythos Mappe" aufzuräumen, widme ich diese Seite allen angehenden Kunststudenten. Meine Eignungsprüfung habe ich 2006 an der Universität zu Köln gemacht, aber die Anforderungen variieren je nach Hochschule & angestrebten Studiengang, deshalb Tipp Nr. 1:

1. Informiere Dich rechtzeitig an den jeweiligen Hochschulen über die genauen Mappenanforderungen und die Abgabefrist. 
Die meisten Hochschulen bieten ein umfangreiches Onlineangebot mit ersten nützlichen Hinweisen, die dir helfen Deine Mappe fachgerecht anzufertigen.

Fast jede Uni bietet eine sogenannte "Mappenberatung" an. In Köln konnte man (absolut freiwillig) bereits angefertigte Bilder mitbringen & in der Gruppe besprechen. Keine Angst vor eventueller Kritik, die hilft einem wirklich weiter bei der Erstellung der eigenen Mappe! Außerdem bekommt man durch das Gespräch genauere Vorstellungen, was die Dozenten in der Mappe sehen wollen & was eben überhaupt nicht gern gesehen ist! Also Tipp Nr. 2:

2. Besuche die Mappenberatung der Hochschulen!

Eine Mappe entsteht nicht von heut auf morgen! Beginne rechtzeitig mit deiner Arbeit daran. Einer Mappe, die über Nacht entstanden ist, sieht man das an.  Ich habe (zum Beispiel) nach dem Abitur ca. ein halbes Jahr Zeit gehabt bis zur nächsten Mappenabgabe in Köln. Die Zeit habe ich für ein Praktikum in einer Kunstschule genutzt. So hatte ich sowohl einen Einblick in mein angestrebtes Berufsfeld, als auch Einblick in mir bis dahin unbekannte künstlerische Techniken. Aktzeichnen habe ich dort zum ersten Mal gemacht & auch einen Akt aus Ton angefertigt:



Oft bieten Kunstschulen auch spezielle Kurse zur Mappenerstellung an. Dieses Angebot habe ich ebenfalls durch mein Praktikum mitmachen können. So ein Kurs ist kein Muss, hat mir aber geholfen mich ständig mit meiner Arbeit an der Mappe auseinander zu setzten. Also Tipp Nr. 3:

3. Beginne rechtzeitig mit den Werken für deine Mappe.


Studien zur Hand
Studien einer Büroklammer


4. Halte die Augen offen für die Motivwahl! 
Oft begegnen einem ungewöhnliche Dinge im Alltag. Alles was dein Interesse weckt, eignet sich als Motiv. Mich haben ganz alltägliche Dinge wie Anspitzer oder Scheren gereizt & so wanderten sie in meine Mappe.

Ich habe dann die Dinge, die mein Interesse geweckt haben, mit unterschiedlichen Techniken umgesetzt, wie hier mit Bleistift & Acryl... so sind eben kleine Serien zu bestimmten Gegenständen entstanden.
Studien zur Schere
Was sich als Motiv eignet, hängt aber ganz von dir & deinem Interesse ab. Da kann ich dir keine wirkliche Empfehlung geben, außer eben deine Umwelt ganz genau unter die Lupe zu nehmen & dich mit dem auseinander zu setzten, was DICH anspricht. 

Kopie eines bekannten Bildmotivs (Acryl/ DIN A 2)
"Verärgert" (Graphit/ DIN A2)

Oft wird empfohlen sich mit einem bestimmten Thema auseinander zu setzen... Das habe ich zunächst auch versucht. Mein Thema war "Augenblicke"... ein Augenblick kann alles sein: Der Blick in ein Auge, 2 Augen, die sich treffen, eine Momentaufnahme usw. Im Zuge der Bearbeitung des einen Themas habe ich für mich festgestellt, dass ich zu eingeschränkt arbeite & nicht herausarbeiten konnte, was ich tatsächlich handwerklich kann & was mich persönlich interessiert. Deshalb habe ich mich nur noch mit den Dingen beschäftigt, die mir in dem "Augenblick" Spaß gemacht haben. Dennoch sind bei der Bearbeitung des Themas gute Sachen entstanden, die auch in meiner Mappe gelandet sind (siehe Picasa Album in der Menuleiste unter "Galerie"). Also empfiehlt es sich dennoch mit einem gezielten Thema auseinander zu setzen, solange bis es eben ausgereizt ist! Keine Angst vor dem Punkt, an dem es erst einmal nicht weiter geht...

5. Arbeite eine Serie zu einem bestimmten Thema aus.

Zur Wahl der Materialien kann ich empfehlen alles einmal auszuprobieren. Ich habe mich ausgetobt im Umgang mit Kreiden, Bleistiften, Acryl, Tusche, Ton, Fotografie... manche Bildideen lassen sich eben mit einem bestimmten Material besser umsetzten. Meine Lieblingsdisziplinen sind die Acrylmalerei & Graphitzeichnungen. Für die Mappe empfiehlt es sich zum einem zeigen, was man kann, aber auch das man sich an neue Materialien & Methoden ran traut.

Metamorphose vom Holzhobel zum Nashorn aus Ton
6. Probiere Dich in vielen Materialien aus. 

Leinwände machen immer etwas her, sind aber in der Mappe eher ungünstig, da sie so viel Platz einnehmen. Ich hatte eine Acyrlmalerei auf Leinwand mit in meiner Mappe, die restlichen Acrylbilder sind dann auf normalen Zeichenpapier oder sogar Packpapier entstanden. Anschließend habe ich alle Werke auf gleichgroßen Pappen aufgezogen, um ihnen ein einheitlichen Look zu verpassen. Es ist gut, wenn Eure Bilder sich einfach aus der Mappe holen lassen, nicht beim Transport zerknicken können oder gar bei der Durchsicht der Mappe eher Schwierigkeiten machen z.B. durch unhandliche Formate etc.

Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen!

Bei der Anfertigung deiner Mappe wirst du vielleicht irgendwann an deine Grenzen stoßen & hinterfragen, ob du auf dem richtigen Weg bist. Lass Dich nicht entmutigen! Es passiert den größten Künstlern, dass sie auch mal "Mist" produzieren... Wichtig ist, jedes Bild als eine Art Übung anzusehen und Übung macht ja bekanntlich den Meister! Also bei Fehlversuchen bloß nicht resignieren, sondern dran bleiben & draus lernen! Deshalb mein Tipp Nr. 7:

7. Üben, Üben, Üben ...




Neben den "großen" Werke, die ich alle auf ein einheitliches Format (DIN A2) gebracht habe, indem ich sie auf gleichgroße Pappen aufgezogen habe, habe ich auch drei meiner Skizzenbücher in die Mappe gelegt. Meine kleinen Studien sind nicht perfekt, aber das müssen sie auch nicht sein... Vielmehr ging es mir darum zu zeigen, dass ich mich einfach permanent künstlerisch mit meiner Umwelt auseinander setze und an mir & meinen Fähigkeiten arbeite.



7. Kritik einholen
Es ist ratsam seine Bilder hin und wieder von einer unabhängigen, ehrlichen Person beurteilen zu lassen... Wer das für Euch ist, könnt natürlich nur ihr entscheiden. Oma & Opa nehmen einfach eine andere Sichtweise ein, als vielleicht ein/e Kunstlehrer/in ;-) Selbst wenn Kritik zunächst ernüchternd sein kann, so hilft sie dennoch dabei weiter sich zu verbessern & entwickeln zu können.

8. Keine Bilder aus dem Kunstunterricht
Basketballspieler in Bewegung (Acryl/ DIN A2/ Kubismus)
Grundsätzlich eignen sich Bilder aus dem Kunstunterricht nicht für die Mappe. Man sieht den Bildern dies direkt an. Bilder (wie in meinem Beispiel oben) repräsentieren nicht Euch selbst und sind oftmals an andere Künstler & Stilrichtungen angelehnt. Selbst wenn sie qualitativ gut gemacht sind, wirkt die bloße Übernahme eines bekannten Motivs recht einfallslos.

Wer andere Erfahrungen gemacht hat, kann diese gerne durch die Kommentarfunktion ergänzen... Wenn ihr noch weitere Fragen habt, meldet Euch einfach per Mail bei mir & ich versuche Euch weiterzuhelfen.

Kommentare:

  1. Hey, du hast mir sehr geholfen. Auch für mich ist die Mappe lange ein Mythos geblieben und ich traue mich langsam von "bekannten Anforderungen" loszulassen und mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und immer weiter zu machen. Ich erkenne mich teilweise in den von dir beschriebenen Phasen des Herantastens wieder und es fällt mir leichter dadurch, weiterzumachen. Danke! Julia

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Julia, es freut mich sehr, dass ich dir weiterhelfen konnte :) Genau, einfach dran bleiben, weitermachen & sich durch die Übung stets verbessern, das ist eine gute Einstellung! Vielen Dank für Deinen schönen Kommentar :) Lieben Gruß Miriam

      Löschen
  2. Hallo und danke für diese hilfreiche Tipps zur Mappenherstellung. Eine Frage: hat man aber überhaupt eine Chance, wenn man keine figurative Kunst kann? Ich weiß, dass ich künstlerich begabt bin aber ich male nur abstrakten Sachen. Weißt du vielleicht was die Mappenjury davon hält?

    Danke,
    Sarah

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Sarah,
      vielen Dank für dein Feedback :)

      Also, ich würde Dir raten Dich dem Figurativen einfach langsam anzunähern. Denn "kann ich nicht", gibt es nicht :) Man muss sich nur trauen. Vielleicht schnappst du dir eine Kamera & suchst im Alltag nach besonderen Dingen. In der Fotografie kannst du etwas Figuratives so aufgreifen, dass es schon wieder abstrakt ist, (z.B. wenn du eine interessante Oberfläche ganz nah aufnimmst oder du fotografierst Orte, an denen spannende Flächen aufeinander treffen... ) das könnte für den Anfang die Schwelle zwischen Figurativem & Abstrakten brechen...

      Starte mit kleinen, einfachen Zeichnungen von Gegenständen, die dir gefallen. Und wenn es beim ersten Versuch nicht klappt, dann probierst du es weiter. Gerade wenn man Lehramt studiert, sollte man sich in allen Facetten ausprobieren/ auskennen. Denn es wäre schwierig einem Schüler das Zeichnen nahe zu bringen, wenn man sich selber in der Domäne gar nicht auskennt ;)

      Für die Mappe ist es gut, wenn man klar zeigen kann, wo die eigenen Stärken liegen, aber man sollte sich auch vielfältig präsentieren. Im Studium wirst du eben auch diese Bereiche anreißen müssen, zumindest wenn du Lehramt machst...

      Aber ich kann dir nur wärmstens empfehlen die Mappenberatungen der Unis aufzusuchen, je nachdem wollen die Dozenten es auch anders, da ist von Uni zu Uni & Jury zu Jury sicher anders und eben auch vom Studiengang abhängig. Wenn du vor Ort mit ihnen sprichst, wirst du erfahren, was sie sehen wollen & vielleicht geben sie euch gute Tipps mit auf den Weg :) Meld dich einfach & berichte wie es läuft.

      Lieben Gruß
      Miriam

      Löschen
  3. PS: Ich meinte natürlich "künstlerisch" begabt ;)

    AntwortenLöschen

Ich freue mich über Euer Feedback :)